Uferw?lder in der Savanne:
Br?nde bedrohen auch Brasiliens zweitgr??tes ?kosystem  [14.12.20]

Nicht nur am Amazonas brennen die W?lder: Klimawandel und Landmanagement gef?hrden noch empfindlichere Uferw?lder, so eine Studie in Zusammenarbeit mit der Uni Hohenheim.

Immer h?ufiger treten in den letzten Jahren in den brasilianischen Savannen Fl?chenbr?nde auf, die auch die Uferw?lder stark in Mitleidenschaft ziehen. Wie gro? die Bedrohung für diese empfindlichen ?kosysteme tats?chlich ist, zeigen jetzt Untersuchungen mit Beteiligung einer Wissenschaftlerin von der 狗万app足彩 in Stuttgart: ?Der Verlust ist hier sogar schlimmer als im tropischen Regenwald am Amazonas, denn die betroffene Fl?che ist deutlich gr??er“, sagt Dr. Anna Abrah?o. Tropische Savannen geh?ren weltweit zu den Lebensr?umen mit der gr??ten biologischen Vielfalt und zugleich zu den am st?rksten bedrohten ?kosystemen. Neben den typischen Gras- und Buschlandschaften finden sich vor allem in den feuchten Uferzonen von B?chen und Flüssen auch immergrüne W?lder. Publiziert wurden die Ergebnisse der 20 Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen brasilianischen und internationalen Institutionen jetzt im Journal of Applied Ecology: besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.13794


Der Nationalpark Chapada dos Veadeiros, ein UNESCO-Weltnaturerbe, liegt in einem der ?ltesten und biologisch vielf?ltigsten tropischen Lebensr?ume der Welt, der Cerrado. Mit einer Fl?che von mehr als zwei Millionen Quadratkilometern ist die in der brasilianischen Zentralhochebene gelegene Savannenlandschaft fast sechsmal so gro? wie Deutschland und - nach dem Amazonasregenwald - das zweitgr??te ?kosystem Brasiliens.

Sie bietet rund 12.000 heimischen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum, darunter auch vielen Arten, die ausschlie?lich dort vorkommen. Gerade die Uferw?lder sind wichtige Lebensr?ume für Gro?tiere wie Jaguare, denen sie als Versteck inmitten der offenen Savannenfl?chen dienen.

Gleichzeitig steht der Cerrado unter einem enormen Nutzungsdruck durch Land- und Viehwirtschaft. So ist der j?hrliche Vegetationsverlust noch h?her als derjenige im Amazonasgebiet. Vor allem in den Naturschutzgebieten treten regelm??ig gro?fl?chige, zerst?rerische Fl?chenbr?nde auf, die die Artenvielfalt in diesem Gebiet stark gef?hrden.

Im Oktober 2017 breitete sich ein gro?es Fl?chenfeuer über die Savannenlandschaften des Nationalparks Chapada dos Veadeiros aus. Dabei verbrannten mehr als 86 Tausend Hektar, das entspricht mehr als 80 % der Parkfl?che. Wie gro? die Folgen dieses Brandes speziell für die Uferw?lder in der tropischen Savanne sind, hat jetzt ein 20-k?pfiges internationales Forschungsteam untersucht.


Baumkronen-?berdachung sank von 90 auf bis zu 20 Prozent

Mit Hilfe von Satellitenbildern bei Google Earth ermittelten die Forschenden den Verlust der Waldbedeckung auf einer Fl?che von 90 Hektar zwischen 2003 und 2019. Die Ergebnisse verglichen sie mit Felddaten, die sie in 36 über die verbrannte Landschaft verteilten W?ldern gesammelt haben.

Waren 2003 noch über 90 % der Fl?che in den Uferw?ldern vom Kronendach der B?ume bedeckt, sank diese Fl?che nach 2017 in einigen W?ldern auf 20 %. Genauere Untersuchungen vor Ort ergaben, dass durch die Waldbr?nde im Durchschnitt 50 % der erwachsenen B?ume und 88 % der Baumsch?sslinge abstarben.

Es waren jedoch nicht alle W?lder im gleichen Ausma? betroffen. ?Zu unserer ?berraschung wurden die W?lder, die w?hrend der Regenzeit überflutet wurden, am st?rksten gesch?digt. Einige dieser W?lder sind sogar vollst?ndig zerst?rt“, sagt Dr. Bernardo Flores von der Universit?t Campinas in Brasilien und Erstautor der Ver?ffentlichung.

Einen Grund sehen die Wissenschaftler in der relativ dünnen Rinde der B?ume. Denn obwohl die Uferw?lder in einer Umgebung wachsen, in der es h?ufig brennt, erreicht das Feuer sie selbst nur selten: Sie verfügen über genügend Feuchtigkeit, um dessen Ausbreitung zu verhindern. Infolgedessen bilden die meisten Baumarten in den Uferw?ldern nur relativ dünne Rinden und sind im Vergleich zu den B?umen in der offenen Savanne deutlich feuerempfindlicher.


Savannen tolerieren nur natürliche Br?nde

Normalerweise verkraften die ?kosysteme tropischer Savannen regelm??ige Br?nde gut. ?Natürliche Feuer entstehen meist bei Gewittern durch Blitzeinschlag. Durch den nachfolgenden Regen werden diese Br?nde in der Regel auch schnell wieder gel?scht. Zudem treten Gewitter meist w?hrend der Regenzeit auf, so dass der Boden und die Vegetation feucht und nicht so schnell entflammbar sind“, wei? Dr. Abrah?o.

?Doch Menschen legen die Feuer meist mitten in der Trockenzeit, wenn das Gras und auch die W?lder trocken sind und gut brennen“, erkl?rt Dr. Abrah?o. ?Da die brasilianische Regierung in den letzten Jahren immer weniger Wert auf Umweltschutz gelegt hat, haben auch die Br?nde stark zugenommen.“


Landwirtschaft und Klimawandel erh?hen die Brandgefahr

Eine weitere Ursache dafür ist sicherlich in der zunehmenden Ausdehnung landwirtschaftlicher Nutzfl?chen in diesen Regionen zu suchen, was nicht nur zum Verlust von natürlichem Lebensraum, sondern auch zur Einführung fremder Pflanzenarten geführt hat.

So breiten sich als Viehfutter auf Weiden angepflanzte, nicht-heimische Gr?ser in die angrenzende Savanne aus und verdr?ngen dort die einheimischen Arten. Darüber hinaus produzieren die gebietsfremden Arten meist mehr Biomasse und liefern so dem Feuer zus?tzliches Brennmaterial.

Gleichzeitig wird aufgrund des Klimawandels in den letzten Jahrzehnten in den tropischen Savannen weltweit eine Verl?ngerung der so genannten Brandwettersaison beobachtet. Dabei kommen hohe Temperaturen, geringe Niederschl?ge sowie niedrige Luftfeuchtigkeit und oft auch starke Winde zusammen, was die Brandgefahr zus?tzlich erh?ht. Im tropischen Südamerika dauert diese Periode heute 33 Tage l?nger als noch vor 35 Jahren.


Ganzes ?kosystem ist in Gefahr

In den meisten Tropenw?ldern verbrennen bei einem einzigen Fl?chenfeuer in der Regel zwischen 23 und 44 % der B?ume. In saisonal überfluteten Uferw?ldern kann ein einziges Waldbrandereignis jedoch 60 bis 100 % aller erwachsenen B?ume t?ten, so ein Ergebnis der Forscher. Darüber hinaus wird durch die freigelegten Fl?chen die Bodenerosion erh?ht.

Der Verlust dieser Uferw?lder kann negative Auswirkungen auf die gesamte Flora und Fauna sowie das ?kologische Gleichgewicht des Parks haben. So konnten sich in den am meisten gesch?digten Gebieten invasive Gr?ser und andere opportunistische Pflanzen, wie Kletterpflanzen und Farne, innerhalb weniger Monate stark ausbreiten. Zwar wurde durch die Zerst?rung der W?lder Raum für neue Pflanzenarten geschaffen, aber zugleich entsteht eine v?llig neue Lebensgemeinschaft, die meist auch arten?rmer ist.


Weitere Entwicklung des gesch?digten ?kosystems beobachten

Die Forschenden wollen in den n?chsten Jahren die weitere Entwicklung beobachten. Denn die Frage ist, ob sich stark gest?rte Uferw?lder wieder erholen und zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückkehren k?nnen, oder ob dieser Prozess durch opportunistische Pflanzen aufgehalten und die natürliche Waldregeneration gestoppt wird.

Sie wollen mit den Ergebnissen ihrer Untersuchungen auch dazu beitragen, Strategien für das integrierte Feuermanagement in diesen Landschaften zu entwickeln. So k?nnten zum Beispiel gezielt gelegte, kontrollierte Br?nde dazu beitragen, die brennbare Biomasse zu verringern, die Vielfalt der Landschaft wiederherzustellen und die Ausbreitung von Waldbr?nden zu verringern.


Publikation
Flores BM, et al. (2020) Tropical riparian forests in danger from large savanna wildfires.
Journal of Applied Ecology, DOI 10.1111/1365-2664.13794, https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.13794

Der Fl?chenbrand von 2017 vernichtete über 80 % der Fl?che des Nationalparks Chapada dos Veadeiros, einem UNESCO-Weltnaturerbe in Zentralbrasilien. | Bildquelle: 狗万app足彩 / Fernando Tatagiba

Der Fl?chenbrand von 2017 vernichtete über 80 % der Fl?che des Nationalparks Chapada dos Veadeiros, einem UNESCO-Weltnaturerbe in Zentralbrasilien.
Bildquelle: 狗万app足彩 / Fernando Tatagiba

Dr. Bernardo Flores bei der Kartierung | Bildquelle: 狗万app足彩 / Anna Abrah?o

Dr. Bernardo Flores bei der Kartierung
Bildquelle: 狗万app足彩 / Anna Abrah?o

Die Savannenlandschaft des Cerrado, durchzogen von B?chen und Flüssen mit besonders wertvollen Uferw?ldern, ist das zweitgr??te ?kosystem Brasiliens. | Bildquelle: 狗万app足彩 / Bernardo Flores

Die Savannenlandschaft des Cerrado, durchzogen von B?chen und Flüssen mit besonders wertvollen Uferw?ldern, ist das zweitgr??te ?kosystem Brasiliens.
Bildquelle: 狗万app足彩 / Bernardo Flores

Text: Stuhlemmer

Kontakt für Medien:

Dr. Anna Abrah?o, 狗万app足彩, Fachgebiet Bodenbiologie,
T +49 (0)711 459 23118, E anna.abrahao@uni-hohenheim.de


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