Schaufenster Bio?konomie:
狗万app足彩 machen Verpackungen nachhaltiger  [05.10.20]

EU-Forschungsprojekt mit Beteiligung der Uni Hohenheim unterstützt Markteinführung innovativer Verpackungen, die Lebensmittel- und Verpackungsabf?lle reduzieren

In den 27 europ?ischen L?ndern werden nicht nur jedes Jahr 89 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – auch Verpackungsabf?lle fallen tonnenweise an. Diesem Trend tritt ein europ?isches Forschungsvorhaben entgegen: Im Projekt MyPack treiben die beteiligten Forschenden und Unternehmen die Markteinführung innovativer und nachhaltiger Verpackungen auf Basis erneuerbarer Rohstoffe voran, um die Verschwendung von Lebensmitteln und Verpackungsmaterialien zu reduzieren. An der 狗万app足彩 in Stuttgart beteiligen sich das Forschungszentrum für Bio?konomie unter der Leitung von Susanne Braun und das Fachgebiet Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe von Prof. Dr. Andrea Kruse an MyPack: Mit einer F?rdersumme von über 430.000 Euro geh?rt das Projekt zu den Schwergewichten der Forschung an der 狗万app足彩.


Die Erfindung von Kunststoffen hat unsere Welt ver?ndert. Allerdings nicht nur zum Positiven: Plastik findet sich auch da, wo es nichts zu suchen hat – als schwimmende Inseln im Meer oder als Mikroplastik in unserem Essen. Doch nicht nur Kunststoffe, auch Lebensmittel landen tonnenweise im Abfall. Dies ist nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen, sondern belastet auch in zunehmendem Ma?e Mensch und Umwelt.

Deshalb hat sich das Forschungsprojekt MyPack zum Ziel gesetzt, die Markteinführung innovativer Verpackungen zu unterstützen, um sowohl Lebensmittel- als auch Verpackungsabf?lle und deren negativen Einfluss auf die Umwelt zu reduzieren. Im Fokus stehen biologisch abbaubare und kompostierbare Verpackungen, Verpackungen aus erneuerbaren Rohstoffen, oder spezielle Verpackungen, die etwa durch eine reduzierte Luftdurchl?ssigkeit die Haltbarkeit von Lebensmitteln verl?ngern.

Dabei sind die Anwendungsbereiche breit gef?chert – von der Verpackung für gebrauchsfertig geschnittenen Salat bis hin zur Herstellung von Schalen für Babynahrung. Doch die Forscher untersuchen nicht nur die Auswirkungen auf die Umwelt und die industrielle Umsetzbarkeit, sondern auch die Akzeptanz durch die Verbraucher.


Grüne Plastikalternativen

An der 狗万app足彩 besch?ftigt sich das Fachgebiet Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe von Prof. Dr. Andrea Kruse mit dem Thema, welche Alternativen es zu den herk?mmlichen Rohstoffen gibt. Doktorand Markus G?tz aus ihrem Team erl?utert den Ansatz: ?Wir suchen nach alternativen Verpackungsl?sungen, die dafür sorgen, dass Lebensmittel l?nger frisch und haltbar bleiben, so dass weniger weggeworfen werden muss.“

?Dabei unterstützen wir Unternehmen, die verst?rkt Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen einsetzen wollen, und helfen bei der Bewertung. Leider machen diese biobasierten Kunststoffe derzeit noch einen unbedeutenden Teil der weltweiten Kunststoffproduktion aus. Die meisten der heute auf dem Markt befindlichen Kunststoffe werden aus Erd?l hergestellt“, f?hrt er fort.


PEF statt PET: Zu hundert Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und recycelbar

So wird auch der h?ufig für Getr?nkeflaschen und andere Lebensmittelverpackungen eingesetzte Kunststoff PET (Polyethylenterephthalat) aus Roh?l hergestellt. ?Das Ziel besteht darin, das ?T‘ in PET m?glichst weitgehend durch ein ?F‘ zu ersetzen, wobei das ?F‘ für ?Furandicarbons?ure‘ steht. Eine Vorstufe davon, das Hydroxymethylfurfural (HMF), l?sst sich beispielsweise aus Chicorée-Wurzelrüben gewinnen, die sonst ungenutzt als Abfall auf dem Kompost oder in der Biogasanlage landen“, erkl?rt Markus G?tz weiter. Aber auch andere kohlehydrathaltige Abf?lle aus der Forst- und Landwirtschaft lassen sich verwenden. So entsteht auch keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion.

PEF l?sst sich also zu hundert Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen. Dabei weist es keine schlechteren Eigenschaften als erd?lbasiertes PET auf. Im Gegenteil: Das biobasierte PEF hat eine h?here Gasbarriere als PET, d. h. es verhindert das Eindringen von Sauerstoff in das Lebensmittel viel besser, wodurch beispielsweise die Haltbarkeit von Fleisch deutlich erh?ht wird. Umgekehrt bleibt bei kohlens?urehaltigen Getr?nken das Gas l?nger in der Flasche, wenn sie aus PEF hergestellt wurde.

Zudem erm?glicht die h?here mechanische Stabilit?t von PEF die Verwendung dünnerer Folien und Verpackungen. So k?nnen Flaschen, die aus PEF hergestellt werden, eine deutlich dünnere Wandst?rke als PET-Flaschen haben. Das reduziert nicht nur die Material-, sondern auch die Transportkosten.

Aktuell ist die gr??te Hürde für den industriellen Einsatz noch die mangelnde Verfügbarkeit dieses Materials. Doch Vorbehalten zur Recyclingf?higkeit von PEF kann Markus G?tz begegnen: ?PEF ist PET chemisch gesehen so ?hnlich, dass beide Materialien gemeinsam recycelt werden k?nnen. Es muss vorher keine aufw?ndige Trennung erfolgen.“


PLA und PEF: Stark im Verbund

Was für PEF noch weitgehend Zukunftsmusik ist, ist für einen anderen Bio-Kunststoff schon Realit?t: PLA (polylactic acid) als Abkürzung für Polymilchs?ure wird vom Handel bereits h?ufig für Lebensmittelverpackungen verwendet. Ebenso wie PEF wird PLA zu hundert Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt. Basis bildet hier Maisst?rke, die chemisch oder biologisch zum Ausgangsmaterial Milchs?ure umgewandelt wird. Die hohe Wasserdampfdurchl?ssigkeit des PLAs begrenzt allerdings die Einsatzm?glichkeiten im Lebensmittelbereich.

?In MyPack ist es gelungen, eine Verbundfolie aus PLA und PEF herzustellen“, erkl?rt Markus G?tz. ?Diese verbindet die Barriere-Eigenschaften des PEFs mit dem vergleichsweise geringen Preis des etablierten PLA. Hier werden die positiven Eigenschaften beider Polymere kombiniert.  Dies kann die Markteinführung des PEFs beschleunigen, da die hohen Kosten im Moment eine der gr??ten Markteintrittsbarrieren sind.“

Die Verbundfolie ist vergleichbaren konventionellen Kunststoffen sogar überlegen: Bei gleichen Barriere-Eigenschaften kann sie sogar 30 Prozent dünner und damit leichter s狗万app足彩 ?Dies verringert den Materialeinsatz, die Transportkosten und somit auch die Umweltbelastung“, so Markus G?tz.


Auch Markteintrittsbarrieren werden einbezogen

Doch damit Biokunststoffe auf dem Markt Fu? fassen k?nnen, müssen zun?chst die Barrieren identifiziert werden, die den Markteintritt behindern. Diese Aufgabe hat sich das Hohenheimer Forschungszentrum für Bio?konomie auf die Fahnen geschrieben – gemeinsam mit anderen Projektpartnern wie dem Biokunststoff-Hersteller Novamont und der Europ?ischen Prüfgesellschaft für Verpackungsrecycling.

“Wir müssen die wichtigsten Treiber in der Biopolymerindustrie erkennen und das rechtliche Umfeld und den Regulierungsrahmen beschreiben“, erkl?rt Susanne Braun, Leiterin des Forschungszentrums für Bio?konomie. ?Au?erdem analysieren wir die Einsatzm?glichkeiten von biologisch abbaubaren und kompostierbaren Materialien nach dem Ende ihrer Lebensdauer.“ In Zusammenarbeit mit mehreren beteiligten Partnern aus dem Konsortium, hat Tetiana Pavlenko vom Forschungszentrum für Bio?konomie die Spezifikationen zusammengefasst, die zu wichtigen Richtlinien für die Markteinführung neuer Verpackungstechnologien führen sollen.

Au?erdem k?nnen neue Verpackungsmaterialien am Markt nur erfolgreich sein, wenn sie auch von den Verbraucherinnen und Verbrauchern akzeptiert werden. Deswegen besch?ftigt sich ein Teilprojekt von MyPack mit den unterschiedlichen Erwartungen, die verschiedene Verbrauchergruppen an die Nachhaltigkeit, Handhabung sowie Sicherheit und Qualit?t des Produktes haben. Diesen Aspekt untersucht die Universit?t Wageningen. Sie ermittelt die Marktchancen auf Verbraucherebene für nachhaltigere Produktverpackungen. Dabei berücksichtigt sie unterschiedliche Verbrauchersegmente, Produktkategorien, Verpackungsl?sungen und lokale Kontexte.


HINTERGRUND: MyPack

Ziel des EU-Projektes ?Best markets for the exploitation of innovative sustainable food packaging solutions“ (MyPack) ist nachhaltigen Lebensmittelverpackungstechnologien zum Markteintritt  zu verhelfen oder ihren Markt zu erweitern.

Koordiniert wird MyPack von ACTIA (Association de coordination technique pour l‘industrie agroalimentaire), dem franz?sischen Technischen Koordinierungsverband für die Lebensmittelindustrie. Das Konsortium besteht aus 18 Partnern aus 6 verschiedenen L?ndern. Forschung und Wissenschaft arbeiten dabei eng mit der Industrie, vor allem kleinen und mittleren Unternehmen, zusammen.

MyPack startete am 1.11.2017 und l?uft bis zum 30.4.2021. Die Europ?ische Union unterstützt das Projekt über das Rahmenprogramm Horizont 2020 mit insgesamt fast 5 Mio. Euro, davon entfallen auf die 狗万app足彩 431.725 Euro. Damit z?hlt es zu den Schwergewichten der Forschung.

Weitere Informationen
MyPack-Homepage: www.mypackfood.eu


HINTERGRUND: Forschungszentrum Bio?konomie an der 狗万app足彩

Die Herausforderungen der Bio?konomie sind komplex und in starkem Ma?e von Forschungsanstrengungen abh?ngig. Antworten sind nur m?glich, wenn Wissenschaftler interdisziplin?r über ihre Fachgrenzen hinaus zusammenarbeiten.

Die Aufgabe des Forschungszentrums Bio?konomie ist diese interdisziplin?re Thematik gezielt und nachhaltig an der Universit?t zu etablieren und durch die erfolgreiche Einwerbung von F?rdermitteln umzusetzen. Dafür unterstützt es die Forscher fakult?tsübergreifend bei der Antragsstellung und/oder der Leitung nationaler und internationaler Verbundprojekte, koordiniert internationale Netzwerkprojekte und Plattformen und wirkt wesentlich bei der Suche nach m?glichen Projektpartnern, der Zusammenstellung des Konsortiums sowie beim Entwickeln der Projektidee, dem Antragsschreiben, der Kommunikation und der Abstimmung mit dem F?rdermittelgeber mit.


HINTERGRUND: Schwergewichte der Forschung

33,9 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der 狗万app足彩 2019 für Forschung und Lehre. In loser Folge pr?sentiert die Reihe ?Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro für apparative Forschung bzw. 150.000 Euro für nicht-apparative Forschung.


HINTERGRUND: Wissenschaftsjahr 2020|21 – Bio?konomie

In den Jahren 2020 und 2021 steht das Wissenschaftsjahr im Zeichen der Bio?konomie – und damit einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaftsweise. Es geht darum, natürliche Stoffe und Ressourcen nachhaltig und innovativ zu produzieren und zu nutzen und so fossile und mineralische Rohstoffe zu ersetzen, Produkte umweltvertr?glicher herzustellen und biologische Ressourcen zu schonen. Das ist in Zeiten des Klimawandels, einer wachsenden Weltbev?lkerung und eines drastischen Artenrückgangs mehr denn je notwendig. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerichtete Wissenschaftsjahr Bio?konomie rückt das Thema ins Rampenlicht. An der 狗万app足彩 steht im Oktober das Monatsthema ?Ern?hrungssicherung – gesundes Essen für alle“ im Fokus.

Die Bio?konomie ist das Leitthema der 狗万app足彩 in Forschung und Lehre. Sie verbindet die agrarwissenschaftliche, die naturwissenschaftliche sowie die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakult?t. Im Wissenschaftsjahr Bio?konomie informiert die 狗万app足彩 in zahlreichen Veranstaltungen Fachwelt und ?ffentlichkeit zum Thema.

Text: Stuhlemmer / Elsner

Kontakt für Medien:

Markus G?tz, Fachgebiet Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe
T +49 (0)711 459 24709, E markus_goetz@uni-hohenheim.de

Prof. Dr. Andrea Kruse, Fachgebiet Konversionstechnologien nachwachsender Rohstoffe
T +49 (0)711 459 24700, E Andrea_Kruse@uni-hohenheim.de

Susanne Braun, Forschungszentrum für Bio?konomie
T +49 (0)711 459-24026, E susanne.braun@uni-hohenheim.de

Tetiana Pavlenko, Forschungszentrum für Bio?konomie
T +49 (0)711 459-23654, E tetiana_pavlenko@uni-hohenheim.de


Zurück zu Pressemitteilungen